Blauer Dunst
Der Duft von Freiheit und Abenteuer, der Duft der großen weiten Welt, wer wird denn gleich in die Luft gehen, Come to where the flavour is, oder was weiß ich, wie die Slogans alle heißen, ich habe nie begriffen, was am Rauchen so toll sein soll. Ich habe nie an einer Zigarette gezogen, kann mir aber beim besten Willen nicht vorstellen, was daran cool sein soll oder welchen Genuss mir das verschaffen könnte. Ich rauche passiv, unfreiwillig, immer dann, wenn ich mich mit meiner Familie treffe oder auf einer Party bin, auf der geraucht werden darf, wenn ich auf Konzerte gehe oder in die Kneipe. Meist toleriere ich den Rauch, nehme in Kauf, dass mir am Ende des Abends übel ist, ich Kopfschmerzen habe, das Gefühl, mir die Lunge rauszuhusten. Dass meine Klamotten stinken, ich am besten nachts noch die Haare wasche und ich einen ekeligen Geschmack im Mund habe. Und ich freue mich ehrlich gesagt auf den 1. Januar, an dem hoffentlich auch in NRW in Gaststätten das Rauchen verboten wird. Aber wehe, ich teile diese Freude meiner Familie mit, da werde ich doch glatt verbal gesteinigt. Eine Frechheit sei das, ein Eingriff in die persönliche Freiheit jedes einzelnen, wo kommen wir denn da hin, wenn der Gesetzgeber es einem verbietet, eine legale Droge zu konsumieren. Man müsse doch mal ein bisschen tolerant sein. Und überhaupt, wenn mir nicht passen würde, dass geraucht wird, dann könne ich ja gehen. Was ich gestern Abend dann auch getan habe. Oma und Opa hatten zum Essen eingeladen, 6 (Ketten-)Raucher, 5 Nichtraucher, es wurde geraucht, was das Zeug hielt, vor dem Essen, während des Essens, nach dem Essen, und jede Bitte um etwas weniger wurde quasi damit quittiert sich noch eine anzuzünden. Ich könne ja gehen, … Bin nach Hause gefahren, habe meine Klamotten auf den Balkon geworfen und bin unter die Dusche gegangen. Tut mir leid für meine Großeltern, die sich auf einen gemütlichen Abend gefreut haben. Tut mir auch leid, das sie jetzt Tage brauchen werden, bis sie (Nichtraucher! 81 Jahre alt, gesundheitlich angeschlagen, trauen sich nicht zu sagen, dass sie der Rauch stört) den Mist wieder aus ihrer Wohnung haben.
Ich habe nie geraucht. Ich kann nicht nachempfinden, wie schwer es einem Raucher fällt, mal zwei oder drei Stunden nicht zu rauchen. Ist es wirklich zu viel verlangt ein wenig Rücksicht zu nehmen? Reagiere ich völlig überzogen, wenn ich das dann nicht länger toleriere, sondern nach Hause gehe? Und was bitte mache ich jetzt Weihnachten? Bin bei meinen Eltern eingeladen, habe keine Lust Streit anzufangen. Habe aber auch keine Lust auf Dauerrauch, aber eine normale Diskussion über dieses Thema ist unmöglich. Als ich irgendwann gesagt habe, dass in meiner Wohnung nicht geraucht wird, sind sie über zwei Jahre nicht bei mir vorbeigekommen und haben mir das persönlich übel genommen „So, wir sind also bei dir nicht mehr willkommen“. Spinne ich? Oder sind meine Eltern da etwas seltsam?
Laufen war ich auch. Freitag und heute. Freitag war's mühsam, heute bin ich total eingegangen. Tierisch hoher Puls, völlig schlapp. Habe nach 24 Minuten aufgegeben und bin nach Hause gegangen. Langsam. Vielleicht bin ich auch deshalb so überempfindlich, weil ich dann jetzt doch krank werde...