Mittwoch, 30. Juni 2010

Von der Geduld

Geduld ist eine Tugend. Leider keine, die ich besitze. Ich war immer schon ungeduldig, mochte als Kind weder auf Weihnachten noch auf Geburtstage warten, wollte nicht sparen, um mir was kaufen zu können, wollte alles sofort. Das hat sich leider bis heute nicht geändert. Ich hasse warten. Und kann das auch ganz schlecht. Es gibt furchtbares Warten (z.B. auf den OP-Termin und den Befund), es gibt eher harmloses Warten (z.B. auf den Bus), aber alles in allem fehlt mir die Geduld, geduldig zu warten.
Im Moment warte ich darauf, wieder ganz gesund zu sein. Ich warte darauf, dass die Fäden rauskommen (Freitag), dass das beklemmende Gefühl beim Schlucken weggeht (Freitag? Mit den Fäden zusammen?). Dass ich wieder Sport machen kann (keine Ahnung, wann). Ich warte darauf, wieder arbeiten zu gehen (Montag?). So langsam ist der Punkt erreicht, an dem ich soweit wieder fit bin, dass ich ausruhen nicht als Wohltat, sondern als Qual empfinde. Das freut mich total, ich hätte nicht gedacht, dass das so schnell gehen würde. D.h. das Warten ist zum Glück kürzer als es sein könnte. Trotzdem will ich wieder laufen gehen, sofort!

Dienstag, 29. Juni 2010

Doch oben ohne

Es ist Sommer in Deutschland! Das finde ich gut, Es ist heiß in Deutschland. Das finde ich auch gut. Wenn es heiß ist, dann schwitzt man. Muss so sein, ist gesund. Aber wenn man unter einem Pflaster schwitzt, dann juckt es ganz furchtbar und dann tut es der Haut nicht gut. Genauso doof wie Pflaster sind Halstücher oder hochgeschlossene T-Shirts. Also lasse ich alles weg und gehe "oben ohne". Die Blicke der Leute sollte man auch mal fotografieren.
So sieht es inzwischen aus.

Aber irgendwie werden Fotos komisch, wenn man sich selbst knippst. Na ja, für einen Eindruck reicht es. Freitag kommen die Fäden raus und dann sind zumindest die bunten Dinger weg.

Freitag, 25. Juni 2010

MIt und ohne Pflaster



Ja ja, so ein Pflaster ist schon ein ganz schön kommunikativer Gegenstand. Ich war heute nur mal kurz in der Apotheke und beim Bäcker, und wurde prompt gefragt, was ich denn gemacht hätte. Schön, dass sich die Mitmenschen um einen sorgen.
In der Apotheke war ich, weil ich eine Alternative zu dem weißen Ungeheuer brauchte. Das ist mir nämlich viel zu hoch und drückt. Und die Streifen, die ich aus dem Krankenhaus mitbekommen habe, sind so schmal, dass mir entweder die Plastikdinger oder die Narbe unter den Klebestreifen geraten, und das geht gar nicht. Oben ohne geht auch nicht, finde ich. Oder sollte man aus den bunten Plastikteilen eine Art neuen Modeschmuck kreieren?

Ich habe jetzt 5 m Hansaplast, sollte erst einmal reichen.

Im Gegensatz dazu ist der Blumenstrauß, den mir meine Kollegen geschenkt haben, ein richtig schöner Anblick. Dazu noch eine Karte und ein Buchgutschein, damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Hat mich riesig gefreut.

Donnerstag, 24. Juni 2010

Frankensteins Monster

Donnerstag, 23. Juni 2010

Bin gerade aus dem Krankenhaus entlassen worden. Puh! Leider hatte da das WLAN nicht funktioniert, deshalb konnte ich mich von da nicht melden.

Die Nacht auf Montag war nicht der Hit. Bis 5.00 ging es, dann nicht mehr. Nervös. Und wie. Bin zu KH gefahren, habe auf meiner Station eingecheckt, bekam sexy Thrombosestrümpfe, ein richtig sexy rückenfreies OP-Hemd und die Scheiß-egal-Pille und kann nicht behaupten, eine Wirkung gespürt zu haben. Ich war völlig klar die ganze Zeit, habe vergeblich gewartet, dass eine Wirkung einsetzt, mich nett mit den Schwestern und den Narkoseärzten unterhalten und gewartet, dass es endlich losgeht. Keine Ahnung, wie die darauf gekommen sind, dass ich nervös bin. Erst das Beruhigungsmittel intravenös hat's gebracht.

Irgendwann wurde ich wieder wach und wurde auf mein Zimmer gebracht. Stefan war zum Glück die ganze Zeit da, sodass ich nicht alleine war. Ich bin unsicher, wie ich den Tag verbracht habe, dösend, schätze ich. Ich konnte sprechen, das fand ich schonmal gut, ich konnte atmen, irgendwann durfte ich was trinken, später Joghurt essen, noch später ein Brot. Das ging nicht so richtig gut, weil das Schlucken irre wehtat. Von der Intensität her wie eine fette Halsentzündung, aber halt nicht von innen, sondern von außen. Gegen 17.00 kam der Chefarzt und sagte, dass alles gut ist. Da ist mir erst einmal ein Stein vom Herzen gefallen. Wobei ich spannenderweise den Tag über gar nicht mehr nervös war, weil sich das irgendwie einseitig anfühlte. Als ob links ein großes und rechts ein kleineres Loch wäre. Gutes Zeichen.

Die Nacht war der totale Horror. Ich habe gefühlt gar nicht geschlafen, weil das KH Aufnahme hatte und andauernd Betrieb war. Das Telefon klingelte ständig, ständig drückte einer nach dem Pfleger (und da mein Zimmer nicht ganz weit weg von seinem Raum war, habe ich natürlich alles gehört). Irgendeine blöde Kuh latschte auf Holzclogs über die Station (zumindest hörte sich das so an), und jedes Mal, wenn ich gerade weggedöst war, war wieder was. Der Drainage-Beutel, der da aus mir raushing, hat auch nicht geholfen. Außerdem wusste ich nicht so recht, wie ich liegen sollte. Hat natürlich auch nicht geholfen, dass ich irgendwie halbwegs ausgeschlafen war, weil ich ja den ganzen Tag rumgelegen hatte.

Dienstag beim Frühstück habe ich den Fehler gemacht zwei Tassen Kaffee zu trinken. Der war schön stark. Wobei das alleine nicht erklärt hat, wie es mir ging. Wie eins A Nervosität, bisschen schneller Herzschlag, eine extrem gute Verdauung, der Wahnsinn. Dabei war ich überhaupt nicht angespannt. Bei der Visite abends meinte der Chefdoc dann, dass bei der OP jede Menge Schilddrüsenhormon freigesetzt wurde. Das erklärt einiges. Und überdosieren möchte ich das Zeug nun wirklich nicht. Ansonsten plätscherte der Tag so vor sich hin. Ich habe gelesen, vergeblich versucht ins Internet zu kommen, meine Tante war da, Stefan war da. Ich bin die ersten Schritte spazieren gegangen, habe lecker gegessen (das Essen war super). Abends habe ich noch was gelesen und bin dann mit Ohrenstöpseln sofort eingeschlafen.

Mittwoch durfte ich dann zu Fango und Massage. Eine Wohltat! Und ja, so verspannt war ich noch nie. Von der Lagerung bei der OP, von der Schonhaltung, ganz übel. Meine Eltern waren da, Stefan, wir sind nett Kaffee trinken gegangen und eine Runde um den Block. Ging. Abends habe ich dann alleine Fußball geschaut. Da ging es mir nicht so toll. Irgendwie war die Erleichterung weg und der Schmerz da. Ich wusste kaum mehr, wie ich sitzen oder liegen sollte. Bin dann irgendwann eingeschlafen, aber ab 3.00 war die Nacht zu Ende. Heute noch einmal Fango und Massage, der erste Blick auf die Narbe. Urgs. Ich sehe aus, geht gar nicht. Nicht nur dass alles blau ist, es hängen auch noch zwei Plastiknöppel raus, mit denen wohl die Fäden fixiert sind. Also wieder Pflaster drüber.

Und jetzt bin ich zu Hause. Und wenn ich noch länger überlege, fallen mir bestimmt noch ein paar Anekdoten ein.

Ich muss aber erstmal zum Hausdoc gleich, wegen der Krankschreibung. Und hoffe, dass ich noch ein paar Massagen verschrieben kriege.

Sonntag, 20. Juni 2010

Morgen also

Morgen ist es endlich soweit, morgen werde ich operiert. Ich sehe dem mit sehr gemischten Gefühlen entgegen, ist ja klar. Einerseits bin ihc froh, den Klotz im Hals dann endlich loszuwerden und Gewissheit zu haben. Andererseits habe ich tierische Angst. Vor der OP, vor dem Danach, davor, dass es Krebs ist, davor, dass bei der OP was scheifgeht... Und anders als bei einer akuten Blinddarm-OP geht es mir ja gerade nicht schlecht.
Ich fand die letzten Wochen extrem anstrengend, weil ihc leider dazu neige mir einen Kopf zu machen und mir das Schlimmste auszumalen. Dazu kam der übliche Schuljahresendstress, Klausuren, Abitur, was auch immer. Auch ohne die anstehende OP wäre ich einigermaßen ferienreif, was das alles auch nicht einfacher macht.
Bitte Daumen drücken! UNd hoffentlich bis bald, mit guten Nachrichten.